Lèvres de sang-Lips of Blood(1975)
Posted: Januar 29th, 2010 | Author: Mercedes | Filed under: WIE DU WILLST, ICH TUE MICH SCHWER MIT SCHUBLADEN | No Comments »Posted: Januar 27th, 2010 | Author: Mercedes | Filed under: WIE DU WILLST, ICH TUE MICH SCHWER MIT SCHUBLADEN | 1 Comment »
Where we’re going we don’t know, we’ll find out tomorrow, if we find out at all
Posted: Januar 27th, 2010 | Author: Mercedes | Filed under: WIE DU WILLST, ICH TUE MICH SCHWER MIT SCHUBLADEN | 1 Comment »
Um 11:34 am Mittwochmittag schob Vien Boa die Palette mit den leeren Kartons in den Hinterhof. Ein Stück des rosafarbenen Kartons hatte sich zwischen den vereisten Rädern verfangen und fluchend riss er daran herum bis es abfiel. Er hatte gestern Nacht wieder nicht mit seiner Frau geschlafen – beinahe acht Monate hatten sie nun schon kein Sex gehabt. Sein Leben schien ihm bedeutungslos und banal. Er hob den pinken Fetzen nicht auf.
Um 12:39 legte Marlene, das sechsjährige Mädchen aus dem dritten Stock, deren Eltern in der Nacht zuvor mal wieder so lauten Sex gehabt hatten, dass sie aufgewacht und erschreckt war, ihren pinken Plastikpropeller neben das rosafarbene Stück Pappe. Es sah schön aus so. Sie blieb ein paar Minuten stehen, betrachtete die Farben im Eis und hoffte, dass jemand ihre Kunst bemerkte, heute oder morgen.
Kopfsprung
Posted: Januar 24th, 2010 | Author: Mercedes | Filed under: WIE DU WILLST, ICH TUE MICH SCHWER MIT SCHUBLADEN | 1 Comment »Myfluga leckte sich die schwarzen Finger ihrer linken Hand ab und zog dann mit der rechten den kakaoverschmierten Löffel aus der klebrigen Schokomasse empor. Sie hatte gerade sechzehn Schokoladenkaramellbonbons gegessen und sich dazu auch noch diesen Becher dickflüssigen, puren Kakaos einverleibt. Mit voller Zungenbreite fuhr sie am triefenden Löffel entlang. Der Schokoladenmatsch fühlte sich fantastisch an zwischen Zähnen, Zunge und Gaumen. Hätte ihr jemand einen Zuber voll Schokolade hingestellt, sie wäre ohne zu Zögern hineingesprungen. Sie wollte diese warme, zuckrige, alles gutwerdende Masse am ganzen Körper spüren. Dabei fand Myfluga Schokolade sonst an sich gar nicht so aufregend. Was war nur in sie gefahren? War das jetzt etwa dieses typische Mädchensyndrom? War es das, was diese Mädchen, die Myfluga hasste, meinten, wenn sie sagten: “Schoki, ich liebe Schoki, ohne Schoki kann ich nicht leben!” Es fuhr ihr ekelschaudernd durch die Arme. Mädchen die “Schoki” sagten, sagten auch zu Knoblauch “Knofi“, fanden sich immer irgendwie auf eine soapstarartige Weise süß und lustig zur gleichen Zeit und waren nicht mehr weit davon entfernt Tupperparties zu geben. Dann öffnete Myfluga ihre schokoladenverschmierten Lippen, sagte laut: “Einen noch!” und griff erneut in die Bonbonschale. Während sie die Schokolade gierig kaute und genussvoll in ihrem Mund hin und her manschte, dachte sie: wie konnte man den besten Teil des Wortes Schokolade nur einfach so weglassen? “..lade“, das war schön, das war saftig, das war fließend. Wie Roulade.
Thousand years from now
Posted: Januar 23rd, 2010 | Author: Mercedes | Filed under: WIE DU WILLST, ICH TUE MICH SCHWER MIT SCHUBLADEN | 2 Comments »Wie auch immer diese Frau hieß, die jetzt vor ihr saß und auf die sich die Fotografen gestern schon wie die Geier gestürzt hatten – mochten sie sie bereits zur neuen Lady Gaga gekürt haben, Myfluga wusste, wer sie wirklich war. Sie kannte sie aus dem Land der arabischen Turmköniginnen – fünf Kinder hatte sie dort und einen Mann, der mehr einem Wolfswesen als einem Menschenwesen glich. Ihr Name war Myriel – seiner fiel Myfluga nicht mehr ein. Vielleicht hatte er keinen Namen gehabt. Die beiden hatten sich vor tausend Jahren ineinander verliebt, Myriels ausufernde Leidenschaft und ihr Talent ihm mit einem einzigen Blick direkt ins verwucherte Herz zu starren, hatten ihn fast wahnsinnig gemacht. Myfluga blickte auf ihre goldene Uhr, die das Datum anzeigte. Ja, tatsächlich, genau tausend Jahre war das jetzt her. Seltsam, an was man sich erinnert, dachte sie kopfschüttelnd und wandte sich ab. Beim Umdrehen stieß sie mit Eva Padberg zusammen. Myfluga mochte ihr Parfum.
Lachsleder und Mädchenträume
Posted: Januar 22nd, 2010 | Author: Mercedes | Filed under: WIE DU WILLST, ICH TUE MICH SCHWER MIT SCHUBLADEN | No Comments »Am Freitagabend um 20:34h hob August Diehl den Deckel des glatten, schwarzen Schächtelchens, das er eine Minute zuvor aus seinem Goodie Bag gezogen hatte, an. Sechzig Sekunden lang war er von Matthias Schweighöfers Erzählungen über dessen kleine Tochter davon abgehalten worden, es zu öffnen. Als seine Fingerspitzen nun das dünne Seidenpapier darunter auseinanderschoben und er hineinblickte, zerfiel sein neugieriger Blick in tausend Einzelteile. Er schaute sich schnell um, die anderen waren abgelenkt, niemand fing seinen verwirrten Blick auf. Langsam griff er jetzt erneut zwischen die hellen Papierfetzen und zog einen offensichtlich schon einmal gebrauchten, völlig zerknautschen Pfefferminzteebeutel hervor. Bräunliche Striemen zogen sich batikhaft das Seidenpapier empor, der Boden des Schächtelchens war undefinierbar dunkel verfärbt. Der Beutel musste nass hineingelegt worden sein – und das vor Tagen, denn jetzt war alles getrocknet. August räusperte sich, fand seine Stimme, blickte nochmals auf und viel zu schnell stolperte ihm ein: “Wer…?” heraus. Er starrte Matthias erwartungsvoll an, doch der erwiderte seinen Blick nicht. Er war zu beschäftigt, den Hintern einer großgewachsenen, blonden Frau vor ihm zu mustern. “Matze!”, stieß er ihn seitlich an. Dieser drehte sich daraufhin endlich um. August grinste auf einmal, dippte den mysteriösen Teebeutel kurz in sein Glas Schampus, steckte ihn blitzschnell in Matthias Hemdkragen und fing an zu lachen. Matthias schaffte es gerade noch, den Teebeutel herauszuziehen, ihn zwischen seine Füße zu schmeissen und August einen Vogel zu zeigen. Dann donnerte laute Musik durch den Friedrichsstadtpalast. Die Jungs richteten ihre Augen gebannt auf den Laufsteg. Die Luft wummerte jetzt und aus dem Dunkel schritt im Scheinwerferlicht ein atemberaubend hübsches Mädchen auf hohen Absätzen – August lehnte sich zurück und spürte den Champagner durch seine Adern wallen.
Der in jenem schwarzen Schächtelchen gefundene Teebeutel sollte ihm erst Jahre später wieder einfallen, als er in einem Teehaus in Tokio statt des bestellten Jasmintees einen Pfefferminztee serviert bekam.
Myfluga hingegen erfuhr nie, was drei Tage, nachdem sie den triefenden Teebeutel kichernd in das Seidenpapier hatte klatschen lassen, geschehen war. Sie hatte sich zwanzig Sekunden nach der Tat für nicht ganz bei Trost erklärt und gehofft, dass nicht Michalsky persönlich aus irgendwelchen Gründen auf die Idee kommen würde, dieses eine Päckchen zu öffnen.
Sit down and do what you’re told
Posted: Januar 18th, 2010 | Author: Mercedes | Filed under: WIE DU WILLST, ICH TUE MICH SCHWER MIT SCHUBLADEN | No Comments »Myfluga versenkte ihren schweren Kopf im heißen, grünleuchtenden Badewasser. Gerade hatte sich ihr kalter Körper an die unerwartete Hitze gewöhnt – nur ihre Füße brannten immernoch darin, als sprangen sie auf einer ganzen Armee Igel herum. Igel mit glühenden Stacheln waren das in ihrer Vorstellung, zwischen ihnen jede Menge Scherben. Oder so. Sie hielt dem stechenden Gefühl stand, gleich würde es vorbei sein, sie wusste das. Sie kannte das schon. Und sie liebte es. Wenn der Schmerz nachließ erschien alles plötzlich noch weicher, noch zarter, noch geborgener. Das war wie gerettet werden. Drama, immer Drama, das fand Myfluga gut. Sie grinste. Das seifige Wasser drang jetzt in ihren Mund, es schmiegte sich an ihr kühles Zahnfleisch und floß durch die Zahnlücke direkt gegen ihre Zunge. Sie atmete tief aus und blubberte das nach Fichten schmeckende Badewasser prustend in die Höhe. Als sie auftauchte spürte sie den knisternden Schaum in ihren Ohren, federleicht lag er auf ihren Brüsten und versteckte sich zwischen ihren Achseln. Endlich war sie allein.
Where I end and you begin
Posted: Januar 11th, 2010 | Author: Mercedes | Filed under: WIE DU WILLST, ICH TUE MICH SCHWER MIT SCHUBLADEN | 3 Comments »“Wird bald allet neu jemacht hier“, brüllte der ältere Mann mit der russischen Fellmütze in das Ohr seiner dicken Frau. Er zeigte auf den leeren Platz vor sich, die Frau nickte unverwandt. Es interessierte sie herzlich wenig, was ihr Mann da wieder faselte. Der Wind schleuderte Eisregen in Myflugas Gesicht, sie blinzelte auf die Stelle, auf die der fremde Mann gerade mit seinem lederbehandschuhten Zeigefinger gedeutet hatte. Im Sommer hatte dort noch der seltsame, alte Imbisswagen gestanden. Sie schmiss die nicht einmal halbaufgerauchte Zigarette in den Schnee, sie schmeckte ihr heute nicht. Bald schon würde sie diese heißgeliebte Stadt für eine andere verlassen. Alles fing neu an. “Neu“, sagte sie laut, der kalte Wind verschluckte das kleine Wort mit der tiefschürfenden Bedeutung. Myflugas Augen brannten jetzt, sie lächelte.
Time was running wild
Posted: Dezember 20th, 2009 | Author: Mercedes | Filed under: WIE DU WILLST, ICH TUE MICH SCHWER MIT SCHUBLADEN | 2 Comments »
“I still don’t know what I was waiting for
And my time was running wild
A million dead-end streets
Every time I thought I’d got it made
It seemed the taste was not so sweet
So I turned myself to face me
But I’ve never caught a glimpse
Of how the others must see the faker
I’m much too fast to take that test
Ch-ch-ch-ch-Changes
(Turn and face the strain)
Ch-ch-Changes
Don’t want to be a richer man
Ch-ch-ch-ch-Changes
(Turn and face the strain)
Ch-ch-Changes
Just gonna have to be a different man
Time may change me
But I can’t trace time”
David Bowie – Changes
Es war, wie es immer mit Myfluga war – sie wusste nicht recht,
wohin all das, was sie aus spontaner Faszination angezettelt
hatte, führen sollte. Sicher war, dass es ihr so gut ging,
wie lange nicht. Sicher war der Geruch von Mandarinen in der
S-Bahn und die eiskalt und trocken knarzenden Schritte der
Menschen, die ihren Tannenbaum durch den weißen Sonntagsschnee
der Stadt trugen.
Der Rest blieb offen.
Die flirrenden Faszinationen und wilden Neuschaffungsideen in
ihrem Kopf wollten endlich herausfallen und neu sortiert werden.
Vielleicht würde sie die Gewänder wechseln – das Geistesbild
verlangte einen neuen Rahmen. Überhaupt alles verlangte Renovation.
Dafür bedarf es ein wenig Zeit, ein wenig Konzentration.
Vor allem aber bedarf es Neujahr, Schnee und Weihnachten mit Freddy.
Mindestens.









